Der Boden tönt!

FOOD.

JUL

08

2021

Gastbeitrag von soundingsoil.ch
Quelle Bild 1 - Peter Lüthi, Biovision
Quelle Bild 3 - WSL

Der Boden tönt!

Als sich zwei innovativ denkende Menschen, mit der Idee den Boden zu hören trafen, entstand Sounding Soil. Und seit dem heisst es: Der Boden tönt!
Und wie. Meistens nehmen wir den gigantischen und sehr wichtigen Lebensraum unter unseren Füssen gar nicht wahr. Ohne ihn wären wir jeglicher (Über)lebensmöglichkeit beraubt. Aber nicht nur wir sind abhängig vom Boden unter unseren Füssen, auch die Lebewesen im Boden brauchen ihn. Und davon gibt es einige - über Pilze zu Algen und Einzellern zu Milben, Pseudoskorpionen, Springschwänzen, Würmern und Nematoden, Schnecken, Spinnen, Hundertfüsser, Käfer und ihre Larven, Asseln, Zikaden, zu Mäusen und Maulwürfen und vielen vielen mehr.

Alle haben ihren Platz im Boden und im Ökosystem. Aber längst nicht alle diese Tiere können wir auch tatsächlich hören. Die WissenschaftlerInnen hinter Sounding Soil haben ein Gerät entwickelt, mit dem die Geräusche im Boden tausendfach verstärkt werden. Damit können plötzlich Geräusche wahrgenommen werden, die das menschlichen Ohr sonst nicht hören kann. Es kratzt und schmatzt, es wimmelt und wuselt, es brummt und hupt. Die Tiere im Boden geben die verschiedensten Geräusche von sich. Für viele von ihnen fehlen uns die Worte. Dabei werden sowohl Bewegungsgeräusche wie auch Kommunikationsgeräusche gehört. Kommunikationsgeräusche? Ja, tatsächlich. Dabei ist den WissenschaftlerInnen aber bisher nicht klar, wie genau die Geräusche erzeugt werden und von wem und überhaupt warum.

Aber welche Tiere können wir denn jetzt hören? Bei den hörbaren Tieren handelt es sich vorwiegend um Organismen der Meso- und Makrofaunen, also alle Tiere, die grösser sind als einen halben Millimeter. Die Geräusche sind dann entsprechend ihrer Körpergrösse, ihrem Körperbau und ihrer Verhaltensweise unterschiedlich.

Und was bringt uns das «Erlebnis Bodenhören» nun? Erstens können wir das Ökosystem Boden endlich wahrnehmen. Und das als etwas Lebendiges, etwas Greifbares. Zweitens hoffen WissenschaftlerInnen die Geräusche als einen Indikator für die Biodiversität im Boden nutzen zu können. Das heisst durch Hören in den Boden kann auf die Vielfalt der Bodentiere geschlossen werden und damit auch auf die Qualität des Bodens. Bisher wissen wir soviel: Je unterschiedlicher die Tiergeräusche in einer Aufnahme sind, desto vielfältiger ist die Bodenfauna. Also desto mehr verschiedene Tiere leben in diesem Stück Boden.
Eines wird sehr schnell klar beim Hören: Nicht nur die natürlichen Geräusche der Tiere im Boden sind zu hören, denn wir können auch Strassenlärm, Baustellen und sogar Fluglärm im Boden hören. Und das in einer beeindruckenden Lautstärke. Die Auswirkungen der akustischen Umweltverschmutzung sind noch völlig unerforscht. Wir können aber annehmen, dass vom Menschen produzierter Lärm nicht nur oberirdisch und maritim, sondern auch unterirdisch zu Beeinträchtigungen des Ökosystems führt.Das wichtige Ökosystem Boden ist stark gefährdet und das nicht nur durch Lärm. Doch jede und jeder von uns kann etwas für den Boden tun.

Zum Beispiel kannst bei dem Kauf deiner Lebensmittel darauf achten, dass eine bodenschonende Anbaumethode genutzt wird. Das kann über biologisch, agrarökologisch, zu Permakultur oder regenerativer Landwirtschaft und einigen anderen gehen. Kaufe nicht zu viel, denn für alles wird immer ein Stück Boden genutzt. Und wenn wir wegschmeissen, was wir vorher gekauft haben, entsorgen wir Lebensmittel, die unnötig im Boden Nährstoffe genutzt haben. Regionale und saisonale Einkäufe sorgen dafür, dass weniger Ackerfläche im Ausland genutzt wird. Hast du einen eigenen Garten? Dann achte darauf, dass der Boden immer bedeckt ist, benutze keine Pestizide oder synthetische Dünger (es gibt viele Möglichkeiten natürlich gegen Schädlinge und für fruchtbaren Boden zu sorgen) und achte beim Erdekauf auf torffreie Erde. Mittlerweile gibt es viele Ratgeber, Blogs und Doks, die dir helfen deinen Garten naturfreundlich zu führen.
Falls wir euer Interesse geweckt haben und ihr mehr von Sounding Soil, dem Boden und den Bodenlebewesen hören und lesen möchtet, besucht unsere Webseite www.soundingsoil.ch . Dort gibt es auch eine Karte mit über 50 Hörbeispielen, die von Interessierten in der ganzen Schweiz aufgenommen wurden. Und wir, Anna und Marilena von der Stiftung Biovision, empfehlen euch: geht einmal selber auf Entdeckungsreise und versucht möglichst viele verschiedene Bodentiere zu finden!

Wenn du mehr hören willst:

Zuhören