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02

2021

Bauern Lexikon von Valérie Sauter
15. Mai 2020

Was ist regenerative Landwirtschaft?

Vor etwa zwei Wochen hat Valérie Sauter, Daniel Bärtschi zur Aufnahme einer neuen FarmTalk-Folge «getroffen». Corona bedingt «nur» online, via Skype. Daniel Bärtschi ist Präsident des Verbands «Agricultura Regeneratio», der sich für eine «regenerative» Landwirtschaft einsetzt.

Doch was heisst das überhaupt, «regenerative Landwirtschaft»?

«Regenerativ», das heisst erst mal soviel wie «(daraus) wieder entstehend bzw. wiederherstellend». Und das ist ganz simpel gesagt das Hauptprinzip der regenerativen Landwirtschaft. Das Ziel ist es so zu wirtschaften, dass geschlossene Kreisläufe und dadurch ein längerfristig nachhaltiges Produktionssystem entstehen.
Dies erreicht man zum Beispiel, in dem man dafür sorgt, dass der Boden möglichst nicht gestört wird. Also möglichst wenige oder keine Pestizide und Kunstdünger, weniger oder gar nicht pflügen und schauen, dass immer irgendeine Bepflanzung auf dem Boden ist. Das führt längerfristig dazu, dass der Humusgehalt gesteigert wird und der Boden somit fruchtbarer ist. Und ganz nebenbei kann er so auch mehr CO2 speichern.
Der Boden sollmöglichst optimal arbeiten können.

Anders als bei der Permakultur fokussiere man sich nicht primär auf permanente Kulturen, sondern der Fokus liegt auf einer dauerhaften Bepflanzung, aber mit wechselnden Kulturen – oder wie auch immer das sonst aussehen kann.
Denn die regenerative Landwirtschaft macht keine festen Vorschriften.

Daniel Bärtschi erklärt: «Jeder Bauer entscheidet selber, wie er wirtschaften will. Es geht darum, eine integrierte Lösung zu finden. Also zu schauen: Was möchte ich anbauen, wie kann und möchte ich mit meinen Böden umgehen und wie möchte ich meine Produkte verkaufen. Das alles spielt in die Art der Produktion mit rein. Aber wie das aussieht, das kann von Bauer zu Bauer sehr unterschiedlich sein».

Aus Amerika

Die Idee der regenerativen Landwirtschaft kommt aus Übersee. Ein bekannter Vertreter ist der charismatische Farmer und Autor Joel Salatin, der rund um das Thema bereits einige Bücher verfasst hat. In den USA und Australien erlebt die regenerative Landwirtschaft seit einigen Jahren einen richtiggehenden Boom und Hunderte von Bauern pilgern jedes Jahr auf Salatins Farm, um von ihm zu lernen. Auch grosse Betriebe produzieren nach diesen Prinzipien.

Die Idee ist schon bestechend: Eine freie, unreglementierte Landwirtschaft, die aber trotzdem naturgemäss produziert. Das wäre im Prinzip etwas, was jedem Bauern am Herzen läge. Denn im Kern sind die meisten Bauern sehr naturverbundene Menschen.

Im Podcast "FarmTalk" geht es um Fragen wie: «Was kann regenerative Landwirtschaft, was Bio nicht kann oder konnte?» oder «Kann man mit regenerativer Landwirtschaft die Welt ernähren?». Und es wird klar, dass regenerative Landwirtschaft auch ein angepasstes Konsumverhalten bedingt, um erfolgreich zu sein. Nämlich lokaler, saisonaler und gesünder.

Den Podcast gibt es zu hören auf Spotify, Apple oder Google Podcast.
Hier gibt's die ganze Folge als Video:

Artikel zur regenerative Landwirtschaft

Pflanzenschutzthema

Der Pflanzenschutz ist derzeit ein Thema, das in der
Öffentlichkeit breit diskutiert wird. Da wir hier nahe am Puls der Praxis sind, wollen wir aufzeigen, welche Problemstellungen sich täglich stellen und warum wir entscheiden, wie wir entscheiden. Damit der Konsument erkennt, wie seine Einkaufsentscheide die Art der
Produktion beeinflussen. In einem Übersichtsartikel fächern wir die verschiedenen Aspekte der Thematik auf. Momentan befinden wir uns in der Diskussion hier:

Seit 2019 gibt es den Verein Agricultura Regeneratio. Was ist sein Ziel?

Ziel ist es, der regenerativen Land- und Ernährungswirtschaft zu mehr Beachtung, Wertschätzung und Anerkennung zu verhelfen. Agricultura Regeneratio bietet allen, die am Thema interessiert sind, eine Plattform – vom Landwirt bis zur Konsumentin. Sie bieten Trainings, Webinare, Anlässe, Informationen und News zum Thema an.
Agricultura Regeneratio ist wichtig, traditionelles Wissen und Erfahrung mit neuen digitalen Techniken zu verbinden, so sind sie z.B. dabei, moderne Bodenanalyse-Methoden zu testen. Zudem streben sie an, dass Produkte aus regenerativer Landwirtschaft - auch dank ihrem hohen inneren Gehalt - am Markt einen Mehrpreis erzielen. Betriebe, die regenerativ arbeiten, können sich für eine Anerkennung bewerben und bei erfolgreicher Prüfung die Marke «agricultura regeneratio» nutzen. Sie erstellen z.B. eine Humusbilanz, weisen ihre Klimawirkung aus, erhöhen das Tierwohl und setzen weniger Pestizide und Dünger ein. Jährlich wird Bericht über die Fortschritte erstattet. A.R ermöglichen so Landwirtschaftsbetrieben, einen individuellen Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit gehen zu können, anstatt starre Richtlinien und Standards (die Natur arbeitet nicht danach) einhalten zu müssen.

Was sind die Vorteile der Regenerativen Landwirtschaft?

Mit der regenerativen Bewirtschaftung kann der Humusgehalt positiv beeinflusst werden, die Biodiversität wird gefördert (besonders auch im Boden), das Wasserhaltevermögen und die Bodenfruchtbarkeit steigen. Es gibt keine fixen Richtlinien, sondern primär eine Messung der Auswirkungen und somit viel Freiheit bei der Umsetzung. Basis bilden aber klare Grundsätze: möglichst geringe Störung des Bodenlebens, möglichst ständige Bodenbedeckung und lebende Wurzeln im Boden, hohe Diversität und Integration der Tiere. Wenn das System einmal läuft, steigt auch die Produktion und vor allem die Wertschöpfung, und das mit reduzierten Inputkosten. Optimal umgesetzt, kann mit regenerativer Landwirtschaft die Umweltbelastung minimiert werden, und die Produktqualität steigt. Besonders kann dank Humusaufbau Kohlenstoff aus der Atmosphäre in den Boden gebracht werfen, was positiv fürs Klima wirkt.

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